Insel vor Vorstreckung im Bodensee

Seit dem Frühjahr 2018 hat sich 300 m dem Ende der Vorstreckungsdämme vorgelagert eine Sandinsel im Bodensee gebildet. Der Hauptgrund dafür ist der jährliche Feststoffeintrag des Alpenrheins in den See (2-3 Mio. m3/Jahr). Die Bildung der Insel ist nicht auf mangelnde Instandhaltung und Geschieberäumung zurückzuführen. Es handelt sich dabei um natürliche Ablagerungen an einer Flussmündung in einen See, wie sie vielerorts in den Alpen im Zuge eines fortschreitenden Verlandungsprozesses vorkommen. So am Ticino im Lago Maggiore, an der Reuss im Urnersee, an der Aaremündung im Bielersee oder an der Bregenzerach im Bodensee. Das heurige hochwasserfreie Abflussgeschehen führte dazu, dass die Insel in dieser Grösse entstehen konnte. Aufgrund des ungewöhnlich niedrigen Seewasserstands ist sie nun seit einigen Monaten mit freiem Auge gut erkennbar.

 

Die Entwicklung des Alpenrhein-Deltas im Bodensee wird überwacht und seit dem Jahr 1911 periodisch vermessen. Der Feststoffeintrag wird an zwei Messstellen im Rhein seit 2009 kontinuierlich registriert. Auf dieser Basis wird die weitere Entwicklung der Rheinmündung in den Bodensee mit Unterstützung eines Expertenteams überprüft und mit Computermodellen simuliert.

 

Die Hochwassersicherheit ist durch diese Verlandungserscheinungen aktuell nicht beeinträchtigt, es besteht daher auch kein Handlungsbedarf. Alleine auf der rechten Seite der Insel ist eine Tiefenrinne vorhanden, in der mehr als das erforderliche Abflussprofil freigehalten ist. Die Insel ist ein Indiz für eine beginnende dynamische Bildung eines Mündungsdeltas am Ende der Vorstreckungsdämme. Die Internationale Rheinregulierung hat die Rheinbauleitung Österreich beauftragt, eine mittlerweile bereits laufende Studie über die mögliche künftige Entwicklung der Mündung des Alpenrheins erstellen zu lassen. Diese wird vom Institut für Seenforschung, Langenargen und von der Versuchsanstalt für Wasserbau der ETH Zürich begleitet.

Hochwasserereignis vom 16./17. Juni 2016

Die starken Niederschläge am 16. und 17. Juni 2016 haben den Rhein rasch ansteigen lassen, es wurde die Gefahrenstufe 3 am Alpenrhein erreicht. Aufgrund von zu wenig gut geeichten Pegelmessstelleneinrichtungen, ging man während dem Hochwasserereignis sogar davon aus, dass die Gefahrenstufe 4 erreicht worden sei.

 

Das Hochwasserereignis gab den Rheinbauleitern und ihren Mitarbeitern in den Technischen Einsatzleitungen erstmals Gelegenheit, mit den seit dem Jahr 2010 erneuerten und modernisierten Einsatzunterlagen im Echteinsatz zu arbeiten. Auch das Hochwasserabflussprognosemodell des Bundesamts für Umwelt (BAFU) konnte bei einer erhöhten Wasserführung nun zeigen, wie verlässlich die Vorhersagen sind.

 

Intensive Niederschläge in der Süd- und Ostschweiz

Am 16. und 17. Juni 2016 gab es starke, teils anhaltende Niederschläge in der Südschweiz und in den zentralen und östlichen Voralpen und Alpen. Gemäss Angaben von Meteo Schweiz fielen im Bündnerland je nach Gebiet zwischen 50 und 120 mm Niederschlag innert 48 Stunden.

 

Kein Extremhochwasser

Als Reaktion auf die gefallenen Niederschläge und aufgrund der bereits gesättigten Böden ist der Alpenrhein wie erwartet rasch angestiegen. Innert 12 Stunden um rund 1'700 m³/s auf 2'200 m³/s an der Station Rhein-Diepoldsau. Die Pegelstände gingen ab dem Mittag des 17. Juni 2016 nur zögernd zurück. Bei den Stationen Hinterrhein-Fürstenau, Rhein-Domat/Ems, Rhein-Diepoldsau sowie Rhein-Lustenau wurden Hochwasser verzeichnet, die statistisch alle 10 bis 30 Jahre vorkommen. Auch wenn die Vorländer überflutet waren, muss klar festgehalten werden, dass wir nicht mit einem Extremhochwasser konfrontiert waren.

Dammsanierungen (Dringliche Sofortmassnahmen)

Die heutigen Dämme wurden grossteils vor etwa 100 Jahren geschüttet und von 1995 bis 2009 auf Grund des Hochwassers von 1987 abschnittsweise verstärkt. Im Zusammenhang mit der Planung des Projekts Rhesi wurden 2013 und 2014 von der Illmündung bis zum Bodensee vertiefte Dammuntersuchungen und Bodenerkundungen durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass im Interesse des Hochwasserschutzes noch vor dem Start des Hochwasserschutzprojekts Rhesi Sanierungen notwendig sind. Als erste Massnahmen wurden in den Gemeinden Diepoldsau (Unterer Rheinspitz), Oberriet (Autobahn-Rastplatz und Fohlenhof) und in Meiningen Rodungen durchgeführt. In Kriessern, Diepoldsau, Meiningen und von Höchst bis Fussach wurden Interventionspisten gebaut.

 

Ab 15. Januar 2016 erfolgte der Einbau von Dichtwänden in Au und St. Margrethen, Sofortmassnahmen (SOMA) 11 von km 83.720 (Auen / Monstein) bis km 84.628 (Neugrüt) sowie SOMA 12 von km 84.676 (Neugrüt) bis km 85.055 (Bruggerhorn). Parallel wird auf der österreichischen Seite nördlich und südlich der Brücke Höchst – Lustenau (km 85.201 bis km 85.557) sowie im Bereich der neuen ÖBB-Eisenbahnbrücke (km 84.789 bis km 84.867) gearbeitet.

 

Dichtwände werden zur Erhöhung der Standsicherheit von Dämmen aus einer Wasser-Steinmehl-Bentonit-Suspension hergestellt. Diese zähflüssige Suspension wird mit einem Flügelrüttler in den Damm "eingerüttelt" und verfestigt sich nach dem Einbringen. Dichtwände sind ca. 7 m tief und haben eine Wandstärke von ca. 30 cm. Diese sogenannten Schmaldichtwände werden im Hochwasserfall,  wenn die Vorländer über einen längeren Zeitraum gefüllt sind, eine mögliche Durchsickerung Ausspülung von Dammmaterial verhindern, der Sickerweg des Wassers wird verlängert. Durch den längeren Weg baut sich das Potential des Wassers ab und der Strömungsdruck gegen die Luftseite hin wird geringer. Dadurch wird das Risiko von Sickerwasseraustritten am Dammfuss reduziert und die Dammstabilität erhöht.

Bau Interventionspisten

Zusammen mit den Dammverstärkungen werden Interventionspisten zur luftseitigen Befahrung der Hochwasserdämme erstellt.

 

Interventionspisten

Um während Hochwasserereignissen Interventionsmassnahmen am Damm durchführen zu können, wird im Bereich Altach (A) eine 4.5 m breite Interventionspiste (Fahrbahnbreite 3.50 m mit beidseitiger Bankettbreite von je 0.50 m) gebaut. Diese muss mit LKW's und schweren Baugeräten befahrbar sein. Die Interventionspiste verläuft luftseitig des Hochwasserdamms auf Höhe des Rheinvorlands. Am südlichen Ende, unmittelbar vor der Landesgrenze, ist ein Wendeplatz vorgesehen. Die Interventionspiste schliesst südlich an die bestehende Interventionspiste auf österreichischer Seite an, nördlich an den auf der Dammkrone verlaufenden bestehenden Rad-/Gehweg.