Alarmorganisation

Der Alpenrhein wird als der grösste Wildbach Europas bezeichnet. Dies bedeutet, dass der Rhein innerhalb von wenigen Stunden zu einem Hochwasser anschwellen kann. Es ist daher wichtig, dass die Alarmierung der Wasserwehren möglichst frühzeitig erfolgt, sodass die Einsatzbereitschaft am Rhein vor dem Eintreffen der Hochwasserwelle ermöglicht wird. Das letzte grosse Hochwasserereignis von 1987 mit rund 2700 m³/s führte zu einem Bruch des linken Rheindammes nördlich der Gemeinde Fussach. Damals wurden durch Speicher der schweizerischen Rheinkraftwerke zusätzlich ca. 400 m³/s zurückgehalten. Ohne Speicher wären rund 3100 m³/s abgeflossen. 2005 ereignete sich ein Hochwasser mit rund 2300 m³/s im Rhein. Ein Grossteil der Wassermengen wurde über die Ill eingetragen (rund 1000m³/s).

 

Die Fliesszeit der Hochwasserwelle von Domat-Ems bis Lustenau / St. Margrethen liegt bei ca. 6 Stunden. Bei niedriger Wasserführung bis 200 m³/s kann mit 8 Stunden gerechnet werden.

Alarmierung

Der Hochwasseralarm für das Rheintal wird durch die Pegelstation in Domat-Ems unterhalb des Zusammenflusses von Vorder- und Hinterrhein sowie Oberriet ausgelöst. Der Kontrolle des Hochwasserverlaufs dienen auch die Pegelstationen am Rhein von Bad Ragaz, Oberriet, Diepoldsau-Schmitter, Bangs und Lustenau. Ferner werden während eines Ereignisses auch die Zuflüsse Plessur, Landquart, Binnenkanal FL, Werdenberger Binnenkanal und Ill beobachtet.

 

Sobald der Rhein bei Domat-Ems einen Abfluss von 900 m³ oder bei Oberriet von 1100 m³/s erreicht oder überschreitet, wird durch die Messstation über Telefon der Hochwasseralarm (Voralarm 01) an die Certas in Zürich übermittelt. Von dort geht die Meldung an die Kantonale Notrufzentrale in St. Gallen und an die Rettungs- und Feuerwehrleitstelle Feldkirch (siehe Ablaufschema).

 

Die beiden Rheinbauleitungen auf der Internationalen Rheinstrecke (Illmündung bis Bodensee) richten nach dieser Meldung einen Bereitschaftsdienst in Widnau (SG) und Lustenau (Vlbg) ein und beginnen mit der Beobachtung des Geschehens durch Abfragen der verschiedenen Messstationen am Rhein und im Einzugsgebiet sowie durch Kontrolle der Wuhrbauten längs des Rheins. Landwirte mit Pachtflächen im Rheinvorland werden alarmiert, um allfällige Geräte oder weidendes Vieh zu entfernen. Notfalls können auch die Wasserwehren (Feuerwehr) zusätzlich angefordert werden.

 

Der Katastrophen-Wasseralarm wird ausgelöst, wenn der Pegelstand bei Domat-Ems eine Abflussmenge von rund 1800 m³ oder bei Oberriet einen von rund 2400 m³/s erreicht. In Lustenau / St. Margrethen sind dann etwa 2600 m³/s zu erwarten, zum Vergleich beträgt die mittlere Wasserführung am Alpenrhein 235 m³ pro Sekunde, also etwa ein Zehntel des Abflusses in Oberriet. Die Meldung geht ebenfalls automatisiert an die Certas in Zürich. Sie alarmiert ihrerseits die Kantonale Notrufzentrale St. Gallen und die Rettungs- und Feuerwehrleitstelle in Feldkirch. Von dort werden alle Rheingemeinden und Ämter sowie das Fürstentum Liechtenstein alarmiert.

Wasserwehren (Feuerwehr) und ihre Pflichten

Die wichtigste Aufgabe der Wasserwehr ist die Überwachung des Rheindamms, des luftseitig angrenzenden ebenen Geländes und der besonders gefährdeten Stellen wie Einmündung von Seitengewässern, Dammbalken-Abschlüsse, tiefliegende Partien des Rheindammfusses usw. Wie das Hochwasser 1987 gezeigt hat, besteht heute nach wie vor die Gefahr von Durchsickerungen durch den Rheindamm. Insbesondere dort treten sie auf, wo bei der Erstellung der Dämme im alten Rheinbett aus Stauden gefer-tigte Matten (Faschinen) eingeschwemmt und durch Belastungen mit Steinen und Kies versenkt wurden oder wo die Dammschüttung aus lockerem, durchlässigem Material besteht. Der Damm muss daher während eines Hochwasserereignisses durch patrouillierende Beobachter sowohl auf der Wasserseite wie auch landseitig überwacht werden. Auf der Wasserseite können vor allem Nachrutschungen des Blockwurfes am Dammfuss eintreten und zu Einbrüchen im Bereich der Pflästerung führen. Landseitig ist das Augenmerk auf Durchsickerungen am Dammfuss und aus der Dammböschung, Aufstösse im anschliessenden ebenen Gelände, auf Setzungen, Rutschungen und Ausbrüche am Damm zu richten.

Einsatzbereitschaft

Durch die Arbeitsgruppe „Internationale Wasserwehr Alpenrhein“ (IWWA), die sich aus den beiden Rheinbauleitern der IRR, Vertretern des Fürstentums Liechtenstein sowie Einsatzkräften zusammensetzt, werden periodische Probealarme und Übungen durchgeführt. Die letzten Übungen für die Stabsstellen und Gemeindeeinsatzzentralen fanden 2010 in Ruggell, Buchs, Balzers, Trübbach, Widnau und Lustenau statt. Weitere Übungen werden periodisch durchgeführt.

 

Die Rheinbauleitungen unterhalten für den Hochwasserschutz Depots mit Sandsäcken, Kies und Wasserbausteinen. Zusätzlich werden sie durch die Gemeinden und private Firmen mit Hilfsmitteln (Geräte usw.) unterstützt.

 

In den Jahren 1927, 1954, 1987, 2002 und 2005 haben sich die Wasserwehren am Rhein besonders bewährt.