Endgestaltung Alter Rhein

Im österreichisch-schweizerischen Staatsvertrag zur Rheinregulierung von 1892 hat sich die Schweiz verpflichtet, die Endgestaltung des Alten Rheins unterhalb von St. Margrethen zu vollziehen. Nach jahrzehntelanger Vorgeschichte führt die IRR die abschliessenden Arbeiten durch. Das Projekt sieht verschiedene Massnahmen zur Gewährleistung der Hochwassersicherheit und zur ökologischen Aufwertung auf der ganzen Länge des Alten Rheins vor. Baubeginn war Anfang 2005. 

 

Die auffälligste Massnahme betrifft die umfassende Neugestaltung des Mündungsbereichs des Alten Rheins. Um die Wasserqualität in den Flachwasserbereichen beidseits der Mündung zu verbessern, wurden links und rechts Leitdämme in den Bodensee erstellt, die das Wasser des Alten Rheins in tiefe Seeschichten ableiten. Dadurch hat sich die Wasserqualität am Gaissauer Rheinholz bereits stark verbessert. Um die zahlreichen Boote, die am Schweizer Flussufer anlegen, umweltfreundlicher und geordnet zu platzieren, hat die IRR an der Schweizer Mündung einen neuen Hafen erstellt (Hafen am Rheinspitz). So liess sich das Ufer des Alten Rheins naturnah gestalten. Zudem konnte im neuen „Hafen am Rheinspitz“ eine den heutigen Ansprüchen gerecht werdende Tank- und Fäkalabsaugstelle errichtet werden. Der Bootsverkehr auf dem Alten Rhein wird durch diese Anlagen unmittelbar beim Rheinspitz wesentlich vermindert. 

 

Die neu erstellten Flachwasserzonen dienen als Ersatz für verlandende Flächen flussaufwärts. Entlang des Alten Rheins wurden auf Österreicher Seite sechs neue Hinterwasser mit Anbindung an den Fluss erstellt. Unterhalb von Gaissau wurden zwei Ausweitungen fertiggestaltet. Die neu geschaffenen Wasserflächen dienen als Brutstätten und zusätzliche Lebensräume für Fische. Die Fischerei im Alten Rhein wird daher wesentlich von den Massnahmen profitieren. Im oberen Bereich des Flusses wurden ausserdem flussbauliche Massnahmen zur Verbesserung der Strukturvielfalt ergriffen. Davon werden weitere Fischarten profitieren. An anderen Orten wurden kleinere, eigenständige Wasserstellen erstellt, die hauptsächlich der Vermehrung von Amphibien und Libellen dienen sollen. 

 

Naturgemäss würden die neu gestalteten Naturoasen rasch verlanden oder mit Gehölzen zuwachsen. Um eine möglichst grosse Artenvielfalt zu erhalten, sind auf den meisten Flächen regelmässige Pflegeeingriffe nötig. Besondere Aufmerksamkeit erfordert die Ausbreitung unerwünschter, invasiver und standortfremder Pflanzen, sogenannter Neophyten. Allein an der Mündung sind rund acht Hektaren neue Landflächen entstanden. Diese werden mit einer speziellen, extensiven Beweidung mittels Schottischer Hochlandrinder offengehalten. Die neu gestalteten Landflächen entlang des Flusses sollen überwiegend maschinell oder mit Tieren wie Schafen, Ziegen, Rindern oder Pferden gepflegt werden. Zusätzlich sind aber viel Handarbeit und eine regelmässige Gebietskontrolle gefragt.

 

Alle Beteiligten sind nun gespannt, ob die durch die IRR organisierte Erfolgskontrolle dereinst die erhofften Verbesserungen für die Artenvielfalt zeigen wird. Die Arbeiten dauern noch bis etwa 2015. Danach soll die Schweiz aus ihrer Verpflichtung aus dem ersten Staatsvertrag entlassen werden. Damit wären alle Punkte des ersten Staatsvertrags vollumfänglich erfüllt.

Erlebnisweg Alter Rhein

Die umfangreichen Aufwertungsmassnahmen am Alten Rhein zwischen St. Margrethen / Höchst und der Mündung in den Bodensee führten dazu, dass an vielen Stellen Natur- und Erholungsräume aufgewertet wurden. Es ist ein Anliegen der IRR, die Bevölkerung auf die vielfältigen Werte des neu gestalteten Landschaftsraumes aufmerksam zu machen. Dabei sollen Personengruppen mit sehr unterschiedlichen Interessen und Wahrnehmungen angesprochen werden. 

 

Die IRR erarbeitet ein Informationskonzept unter dem Namen „Erlebnisweg am Alten Rhein“. Der Erlebnisweg beabsichtigt, Möglichkeiten für eine möglichst wirksame und zielorientierte Information aufzuzeigen. Als Grundlage für die Erarbeitung diente eine Stichwortliste zur Definition der Kommunikationsziele und der Zielgruppen. Die Planung und Installation der Infostationen geht zulasten des Bauprojekts Endgestaltung Alter Rhein. Der Unterhalt und eine allfällige Aktualisierung sind aber Sache der Standortgemeinden. Sämtliche Planungen haben daher in enger Zusammenarbeit mit den Gemeinden zu erfolgen. 

 

Heute befinden sich zehn Informationstafeln (siehe Bild 1) entlang des Alten Rheins, fünf auf Vorarlberger und fünf auf St. Galler Seite. Die Tafeln geben Hinweise und Informationen zu historischen Hintergründen wie den Fährbetrieb zwischen Rheineck und Gaissau. Zudem werden Informationen über die neuen Lebensräume, Habitate und Tieren vermittelt, welche vor allem von diesen neuen Gebieten profitieren (Bild 2). 

 

Die Tafeln sind so positioniert, dass sie vom Radweg gut zugänglich sind. Besuchen Sie die Tafeln bei nächster Gelegenheit. Es lohnt sich.

BUKAR

BUKAR steht für Betreuungs- und Unterhaltskommission Alter Rhein und wurde geschaffen, um die ökologische Bedeutung der neu geschaffenen Lebensräume zu erhalten. Eine regelmässige Gebietsüberwachung und eine übergeordnete Koordination entlang dem Alten Rhein hinsichtlich Instandhaltung sind unerlässlich. Die Entwicklung des Geländes hängt entscheidend vom Willen der zuständigen Stellen ab, dauernd an der Erhaltung der erwünschten Lebensräume zu arbeiten. Die Hauptverantwortung für den Unterhalt der ökologisch bedeutenden Flächen liegt beidseits der Grenze bei den Gemeinden. Am Schweizer Ufer übernimmt das Rheinunternehmen als Grundeigentümer wesentliche Aufgaben des Unterhalts.

Realisierte Massnahmen

Seit 2005 werden auf dem elf Kilometer langen Abschnitt des Alten Rheins vom Bruggerhorn bei St. Margrethen bis zur Mündung zahlreiche Massnahmen zur Gewährleistung der Hochwassersicherheit sowie zur Verbesserung der Wasserqualität und Förderung der Artenvielfalt durchgeführt. Der Schwerpunkt der Arbeiten liegt in der völligen Neugestaltung des Mündungsgebiets mit einem neuen Bootshafen und einer Dammvorstreckung zur Ableitung des Flusswassers. Im Flusslauf werden mehrere neue Hinterwasser, Nebengerinne und Kleingewässer angelegt und Landnutzungen in Vorländern extensiviert. Der Grossteil der Umsetzung der Massnahmen wurde bis zum Sommer 2010 umgesetzt.

 

Mündungsbereich:

 

Die auffälligste Massnahme betrifft die völlige Neugestaltung der Mündung des Alten Rheins. Das Wasser des Flusses weist einen hohen Anteil an geklärten Abwässern auf und ist dadurch zeitweise belastet. Um die Wasserqualität in den Flachwasserbereichen beidseits der Mündung zu verbessern, wurden zwei rund 600 m lange Dämme erstellt, die das Flusswasser in tiefe Seeschichten ableiten. Dadurch hat sich die Wasserqualität auf der Vorarlberger Mündungsseite, wo sich ein beliebter Badeplatz befindet, seit Sommer 2007 spürbar verbessert. 

 

Neben den Dämmen wurden grossflächig neue Flachufer geschüttet. Insgesamt sind auf einer Fläche von rund 13 ha Materialschüttungen erfolgt. Davon sind rund 6 ha selten überflutete Landflächen. Auf den neu geschaffenen, regelmässig überfluteten Uferbereichen entstehen grosse Röhrichtflächen. Diese sollen neben der hydraulischen Funktion als Ersatz für die beeinträchtigten Flachufer dienen. Davon werden vor allem Fische und Muscheln profitieren. 

 

Auf den höher gelegenen Flächen würde sich natürlicherweise Wald entwickeln. Weil das flächige Aufkommen von Gehölzen auf den Dämmen nicht erwünscht ist, ist eine regelmässige Pflege unerlässlich. Ausserdem müssen regelmässig grosse Mengen von Schwemmgut weggeräumt werden. Ein Teil des früheren Mündungsgebiets wird als Folge der veränderten Strömungs- und Sedimentationsverhältnisse rascher als bisher verlanden. Dadurch werden sich Auengehölze stark ausdehnen.

 

Um die zahlreichen Boote, die am Schweizer Flussufer anlegen, umweltfreundlicher und geordnet zu platzieren, hat die Internationale Rheinregulierung an der Schweizer Mündung einen neuen, 1,6 ha grossen Hafen erstellt. So lässt sich das Schweizer Ufer des Alten Rheins auf rund einem Kilometer Länge naturnaher gestalten. Als Nebeneffekt wird erwartet, dass der Bootsverkehr auf dem Fluss abnimmt.

 

In den verlandenden Abschnitten des österreichischen Mündungsgebiets wurden Buhnen abgetragen und Hinterwasser geschaffen. Damit soll die Bewaldung und Verlandung örtlich hinausgezögert werden. Mit kleinen ergänzenden Massnahmen werden auch Laichgewässer für Amphibien und Libellen geschaffen.

 

Flusslauf:

 

Entlang dem ganzen Alten Rhein wurden auf einer Fläche von insgesamt rund 20 ha zahlreiche Massnahmen zur ökologischen Aufwertung realisiert. Die ökologischen Aufwertungen umfassen die Schaffung von Stillwasserbereichen und Zusatzgerinnen sowie die Strukturierung des Flussbettes und der Vorländer. 

 

Um die Bedeutung der Nebengewässer für den Artenschutz zu steigern, sind unter Federführung der Schweizer Gemeinden Rheineck und Thal in den vergangenen Jahren bereits mehrere Buhnenfelder im Unterlauf des Alten Rheins ausgebaggert und von Gehölz befreit worden. Auf der österreichischen Seite sind kleinere Ausbaggerungen bestehender Buhnenfelder im Rahmen der „Endgestaltung Alter Rhein“ vorgesehen.

 

Insgesamt werden an vier Orten neue Hinterwasser mit Anbindung an den Fluss erstellt. Diese dienen als Laichgewässer und Lebensräume für verschiedene Fischarten des Bodensees und stellen daher auch eine wesentliche Verbesserung für die Sportfischerei dar. Die neuen Gewässer steigern zudem die Attraktivität des Gebiets als Naherholungsraum.

 

In zwei Abschnitten (Gaissauer Teiche, Eselschwanz) wurde ein zusätzliches Nebengerinne erstellt, welches ebenfalls vor allem von fischökologischer Bedeutung ist, aber auch die übrige Artenvielfalt verbessern soll. 

 

In mehreren Bereichen wurde die Nutzung des Vorlands extensiviert oder ganz aufgegeben. Zudem wurden streckenweise Steilufer abgeflacht und Uferlinien aufgebrochen. Mit der Anlage von Kleingewässern in Vorländern wurden an mehreren Stellen Amphibien und Libellen gefördert. 

 

Im Bereich des Eselschwanzes ist der Alte Rhein geprägt vom Rückstau des Bodensees. Er weist dort nur geringe Strömungsgeschwindigkeit auf. Darüber befindet sich ein Abschnitt mit erhöhtem Gefälle und steinigem Flussbett. Diese Strecke ist von grosser Bedeutung für flussbewohnende Fische wie die Äsche. Dort wurden nur geringfügige Eingriffe zur Aufwertung der Ufer und zur Erhaltung der strukturierten Sohle geplant.

Rhyma

Jedes Generationenprojekt braucht ein Wahrzeichen. Die IRR hat sich im Frühjahr 2009 dazu entschlossen, unter drei Kunstschaffenden einen Wettbewerb durchzuführen. Die Vorgabe an die Künstler war, dass die Arbeiten entlang dem Alten Rhein in Form eines Kunstobjekts dargestellt werden sollten. Als Standort für das neue Objekt wurde der Rheinspitz ausgesucht. Aus den drei Kunstvorschlägen wurde das Objekt von Peter Baumgartner aus Goldach ausgewählt. Das siegreiche Kunstobjekt zeigt einen Arbeiter mit Schaufel, welcher in die Ferne blickt. Der Interpretationsspielraum ist gross. Ein Besuch lohnt sich.

Abschluss der Arbeiten bis 2015

Bis 2010 wurden die meisten Gestaltungsarbeiten umgesetzt. Die Wirkung der Gestaltungsmassnahmen auf die Artenvielfalt wird mit einer Erfolgskontrolle voraussichtlich zwischen 2015 und 2020 überprüft. Der Schwerpunkt liegt dabei auf fischökologischen Bestandserfassungen. In der Zwischenzeit wird örtlich die Vegetationsentwicklung überwacht.

 

Die Erwartungen verschiedener Interessenvertreter waren gross. Neben Verbesserungen für die Fischerei und die Naherholung werden eine Förderung gefährdeter Tierarten, die Verbesserung der Wasserqualität und die ökologische Funktionalität des Alten Rheins gemäss EU-Wasserrahmenrichtlinien erwartet. Ausserdem sollen gefährdete Amphibien- und Libellenarten sowie Gewässerorganismen im Gebiet wieder zunehmen. Profitieren wird zweifellos auch der 2006 zugewanderte Biber (im Bereich des Eselschwanzes), der sich in nächster Zeit stark ausbreiten wird. Naturgemäss würden die neu gestalteten Naturoasen rasch verlanden oder mit Gehölzen zuwachsen. Um eine möglichst grosse Artenvielfalt zu erhalten, sind auf den meisten Flächen regelmässige Pflegeeingriffe unerlässlich. Besondere Aufmerksamkeit erfordert die Ausbreitung unerwünschter, invasiver Pflanzen. Zur Offenhaltung der neu geschaffenen Landflächen an der Mündung werden diese in einem Versuch mit Schottischen Hochlandrindern extensiv beweidet. Damit soll dauerhaft eine offene Fläche mit Röhricht und Gehölzgruppen erhalten werden. Die neu gestalteten Landflächen entlang dem Fluss werden teilweise maschinell gepflegt. Zusätzlich ist aber viel Handarbeit notwendig.

 

Bis 2015 sollen sämtliche Arbeiten abgeschlossen werden. Damit könnte die Schweiz aus ihrer Verpflichtung aus dem ersten Staatsvertrag von 1892 (Artikel 14) endgültig entlassen werden und der erste Staatsvertrag wäre somit vollständig umgesetzt.